Sprache als Spiel*en

di:er geneigte Höri mag sich wundern warum ich mich nicht in akademischer Sprache halte, so nach Gewohnheit, Sie wissen schon, nach dem Regelwerk: – es gibt kein Ich, weil eine Objektivität behauptet werden muss – richtig viele Substantive (Fremdworte!) und Schachtelsätze – jeder Gedanke, der in den Texten vorkommt, wird auf den Gedanken anderer, vorher Dagewesener zurückgeführt – bloss keine Aufzählungen – sich möglichst oft wiederholen und ausschmücken, was 1 zu sagen hat – bitte brav umgehen mit den Satzzeichen und der Gross- und Kleinschreibung und nicht zu kompliziert Gendern LESBARKEIT

der deutsch-akademische Sprachraum hat keinen Spielraum. deswegen. das ist die These dahinter. wie sollen wir mit Regeln umgehen, wie sollen wir ins Spiel*en kommen, wie soll eine Situation entstehen wo kein Platz ist?

also schaffen wir den Platz mit eigenen Sprachen und machen daraus ein Spiel:en. damit auch in Dokumentation und Reflexion THEORIE ALS PRAXIS FORM ALS INHALT THE POWER LIES IN THE STRUCTURE der Idee des Projekts nachgeforscht werden kann.

die Sprache als Spiel:en beeinflusst die Beziehungsweise Schreibende:r-Inhalt-Lesende:r ich will eine durchlässige Sprache, ich will ein Spiel:en, das einlädt und verführt weil Sprache die Macht hat, Realitäten zu schaffen und manchmal reichen schon ein paar Worte aus, um mit Spiel:en zu beginnen.

ich mein im Ernst: – es gibt ein Ich. und Objektivität ist ein herrschaftliches Konzept. – Substantive stauen den Fluss auf wie ein Damm und Schachtelsätze versickern in hinteren Gedankenecken – yes, I'm standing on the shoulder of giants. ich will das weder leugnen noch will ich andere nicht zitieren. aber ich muss es nicht immer belegen, sondern will eine Entscheidung darin fällen, auf wen ich mich beziehe. – ab und zu mal eine Aufzählung lockert auf – Namedropping und nachgeschlagene/nachzuschlagende Fremdwörter hab ich nicht nötig (I'm not here for the fame, thank you bye) und die Lesenden auch nicht

komplexe Gedanken, das ist das Brutale an ihnen und das Schöne zugleich, lassen sich nicht reduzieren oder komprimieren und sind nur in ihrer Gänze nachzuvollziehen
AUCH DIE EIGENEN immer wieder ganz durchdenken im Sprechen im Schreiben im Schweigen Ausschnitte fremder Gedankengänge wieder zu beschauen oder an-zu-greifen ist wiederum ein Prozess, der gänzlich neue kristalline Denkgebäude Querverbindungen aufmacht.

Sprache muss Spiel:en werden, um das zu ermöglichen. sonst reduziere ich meine eigenen Gedankengänge auf die bereits existierenden